Interview mit Wladimir Putin

Herr Präsident, sehen Sie Fortschritte in Richtung Frieden nach dem gestrigen Minsker Abkommen?
Wladimir Putin
Bis jetzt nicht. Die Regierung des Schokoladen-Oligarchen Petro Poroschenko, insbesondere der aggressive Premier Jazenjuk („Unser Ziel ist, die Kontrolle über Donezk und Lugansk zurückzuerlangen„) sind nicht wirklich an einem Friedensschluss interessiert, der eine langfristige Lösung in der Ukraine-Frage bringen könnte.

Könnte die russische Bevölkerung denn einfach wieder unter die Kontrolle der Zentralregierung in einem Friedensabkommen gebracht werden, das will ja wohl die Regierung in Kiev?
Nein ganz gewiss nicht. Die russische Bevölkerung im Osten der Ukraine, insbesondere in Donezk, hat unendlich gelitten. Wohngebiete wurden systematisch bombardiert, nicht etwa nur zufällig. Die Verachtung gegenüber der russischen Minderheit seitens der Regierung in Kiev drückte sich ganz besonders auch darin aus.
Dann hat diese Regierung auch die Rentenzahlungen vor sieben Monaten eingestellt, und damit den schwächsten Teil der Bevölkerung in der Ostukraine, die Alten, getroffen. Ebenfalls sperrte sie die Löhne und Gehälter u.a. des dortigen Krankenhauspersonals.

Hat denn der Westen nicht gegen diese menschenverachtenden Übergriffe und Massnahmen protestiert?
Ich habe zu keinem Zeitpunkt wirklich scharfe Proteste gegen dieses rücksichtslose Vorgehen der ukrainischen Regierung ohne Schonung der Zivilbevölkerung gehört. Nur als in Mariupol Fehlschläger Menschen töteten, war das Geschrei des Westens gross. Nein, hier wird mit zweierlei Mass gemessen.Der Ausweg ist daher nur eine weitestgehende Autonomie unter dem gemeinsamen Dach der Ukraine. Alles andere wird keinen Frieden bringen.

Ist die ukrainische Regierung denn zu einem solchen Frieden überhaupt bereit?

Nein. Poroschenko war schon dieses Abkommen von Minsk viel zu weitgehend, mehrfach verliess er wutschnaubend den Verhandlungstisch, aber er hatte gegenüber Merkel und Hollande, die sich jetzt irgendwie aus der Ukrainekrise herauswinden wollen, nichts wirklich zu melden.
Premier Jazenjuk, der Scharfmacher, dürfte Poroschenko nach seiner Rückkehr ordentlich beschimpft haben. Für die faschistischen Banden der Azov ist das Abkommen ohnehin unannehmbar. Die werden weiter versuchen, den Krieg am Laufen zu halten.

Also kein endgültiger Frieden?
Nein, solange nicht ein für die russische Bevölkerung der Osturkraine akzeptabler Friedensplan vorliegt, wird es keinen dauerhaften Frieden geben. Die Krim steht ohnehin nicht zur Diskussion. Die ist russisch und bleibt russisch.

Warum drängte dann Poroschenko so auf einen Waffenstillstand?
Poroschenko, den wir militärisch in schwere Bedrängnis brachten, will Zeit gewinnen, und mit den gestern zugesagten neuen Krediten in Höhe von 40 Milliarden Euro ( 16 Milliarden vom IMF und 24 Milliarden von der EU) sein Land mit modernstem Kriegsgerät ausrüsten, und dann erneut unsere Brüder und Schwestern – und uns – angreifen.

Aber das Geld soll doch zum Wiederaufbau und zur Bekämpfung der Korruption Verwendung finden.
Für den Wiederaufbau der von den ukrainischen Truppen zerstörten Häuser und Einrichtungen dürfte kaum etwas bereitgestellt werden, da braucht man kein Prophet zu sein. Nur die nichtrussische Bevölkerung wird Verbesserungen spüren, viel wird allerdings – wie bisher – in den tiefen Taschen der Oligarchen verschwinden. Die Korruption läuft seit dem Maidan Putsch weiter auf Autopilot. Längst hätten dafür die sofort nach dem Putsch von der EU bereitgestellten Kredite verwendet werden können, wenn man es denn gewollt hätte. Das wird jetzt genauso wenig geschehen, wie vor einem Jahr.
Dieses EU-Ukraine-Ausdehnungs-Abenteuer wird den europäischen Steuerzahler noch zig Milliarden kosten. Ich erspare es mir, hier Vergleiche mit Griechenland zu ziehen.
Ein Narren-Duo, dieser Poroschenko und Jazenjuk, allerdings ein gefährliches, denn gegen uns haben die natürlich nicht einmal den Hauch einer Chance, militärisch gesehen. Aber sie hoffen offenbar, dann die NATO in den Krieg mit hineinziehen zu können. Das würde in einer Katastrophe enden. Mittlerweile scheint auch Angela Merkel das verstanden zu haben, lange genug hat das ja gedauert.
Spassibo für dieses aufschlussreiche Interview

Inter­viewer: Dobroje utro Gospodin Pres­i­dent

Quelle

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