Viel Moral wenig Fakten

Florian Osuch geht in der „Jungen Welt“ (18.Feb.) auf einen Beitrag des „Antifa Infoblattes“ ein. Dort ging man der Frage nach: „Islamischer Faschismus?“ Der Autor des Blattes zählt in seinem Beitrag „historisch, ideologisch und strukturell(e)“ Parallelen der beiden Strömungen auf. Osuch verwundert dieser Artikel, weil „es im deutschsprachigen Raum eher Autoren der neuen Rechten, etwa beim Politblog Pi-News (»Politically incorrect«) oder auch sogenannte Antideutsche, die Islamismus oder Organisationen wie Hamas, die libanesische Hisbollah oder die Muslimbruderschaft als faschistisch bezeichneten“ waren, die durch solche Artikel bisher von sich reden machten. Was hier alles unter „neue Rechte“ subsumiert wird, wäre auch mal zu klären, nicht alle sind stumpfe Islamgegner die alles in einen Topf werfen. Diese Stumpfheit führt dazu ständig eine Verbindung vom Nationalsozialismus und Islam(1) zu bilden, die vorhanden waren und sind, dabei aber die Verbindungen von Zionismus und Nationalsozialismus (Stichwort Ha’avara-Abkommen) zu unterschlagen. Es waren teilweise zionistische Juden die anderen Juden vorwarfen, an ihrer Misere selbst Schuld gewesen zu sein, weil diese nicht mit ausgewandert waren. Zumal sich diese Verbindungen heute ebenfalls finden lassen, wenn die Partei „Die Rechte“ sich an Spanziergängen zum Schutz des jüdisch-christlichen Abendlandes beteiligt oder den Aufruf des israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, dass Juden Frankreich und Deutschland verlassen sollen, mit dem verschicken von fiktiven Flugtickets unterstützen.

DieRechteMal abgesehen davon, dass die Initiatoren ein anderes Ziel verfolgen, ist die Aktion aber um Längen kreativer und eine provokante Antwort auf das ganze „Refugee Welcome“-Geplärre, was eindeutig zerstörerischer in seiner Absicht ist. Aber wenigstens heißt es bei Osuch nicht „Rechtsextreme“ oder „–populisten“, schon mal ein Anfang.

Dass sich aber die Antideutschen seit Jahren immer weiter in der „Linken“, mit ihren Themen Amerikanismus, Zionismus und des ständigem erblicken eines strukturellen Antisemitismus, ausbreiten, fällt Osuch sicherlich deswegen nicht mit auf, weil diese als Bündnispartner gegen angebliche „Rechte“ (egal ob als Spaziergänger oder einfache Arbeiter) oder an Tagen wie dem 13.Februar in Dresden immer noch gern gesehen sind bzw. hier die gleichen Ziele vorliegen. Es ist auch Gestalten wie Patrick Gensing oder einer „Amadeu Antonio Stiftung“ zu verdanken, die regelrechte Bezugspunkte für „linke“ Gruppen sowie Schnittstellen zu bürgerlichen Antifaschisten bilden, und deren Rhetorik sich nicht von Blogs wie „PI-News“ unterscheidet, gerade wegen der beinahe schon penetranten Israel Solidarität. Weiterhin ist es bei den „linken“ Gruppen dieses Schlages stets „schwer zu sagen, wo hier die typisch deutsche Tellerrandborniertheit aufhört und wo die Stasi-Mentalität beginnt“, so Martin Lichtmesz. 

Denn der Feind der „Linken“ sind die „Rechten“ oder eben „Faschisten“. Aber bei der vulgär Antifa, also jenen Teilen die sich als traditionelle Antiimperialisten sehen, entstand schon beim Aufkommen des „Islamischen Staates“ (IS) oder radikal islamischer Prägungen hier in Deutschland (Bsp.: Salafisten) ein Problem mit dem Umgang desselbigen. Während für die Antideutschen die Bewertung kein Problem darstellte. Bei den „Antiimps“ indessen wird oft was Progressives im Islam gesehen, was auch durchaus vorhanden ist. Diese Gruppen wollte aber in erster Linie nicht mit „Rassisten“ zusammenarbeiten und suchten eher den Kontakt zu ausländischen „Linken“ in Deutschland, die von Salafisten direkt betroffen waren, denn wenn Deutsche unter Islamisten leiden interessiert diese nicht, weil alles „Rassisten“ und so wurden vor allem Beziehungen zu Kurden aufgenommen.

Es sind auch überwiegend „kurdische und türkische Linke, die Islamisten als faschistisch bezeichnen“, so Osuch. Gerade in Deutschland lebende Kurden riefen dazu auf, die syrische Stadt Kobani: „Gemeinsam gegen den faschistischen Terror des Islamischen Staates“ zu verteidigen. Dies finden hiesig „Linke“ teilweise auch ganz fantastisch, denn wenn es gegen Faschismus geht kommen sie alle zusammen. Zudem können so Ausländer unterstützt werden und gerade mit den achso unterdrückten Kurden, die für ihre eigene Nation(!) kämpfen, wird sich ständig und überall solidarisiert, zumal man so auch richtig revolutionär sein kann ohne sich in Gefahr zu begeben. Dass sich die Kurden bei der Unterstützung von anderen Protesten gegen offensichtliche soziale Missstände, sofern solche Proteste überhaupt noch stattfinden, eher selten bzw. nur vereinzelt beteiligen, im Gegensatz dazu aber ständig von mangelnder Solidarität plärren, obwohl diese aus unverständlichen Gründen stattfindet, ist für die Biodeutschen „linken“ genauso unerheblich, weil sie dies sicherlich wegen ihrer Verblendung nicht mitbekommen (aber selbst auf „Indymedia“ war mal kleinlaut Kritik in diese Richtung zu vernehmen) wie auch, dass sich für eine Nation eingesetzt wird, während eine andere deutsche Nation gänzlich in Faschismus enden würde. Weiterhin ist es auch kurios, dass sich diese Antiimperialisten stets versuchen von dem Apartheitregime Israel abzugrenzen, außer hinsichtlich ihre Befangenheit gegenüber der „Holocaust Religion“ (Werner Pirker), wo ihre beschränkte weltsicht Risse bekommen könnte, spricht sich kein geringer als Netanjahu für ein unabhängiges Kurdistan aus, auch gerade hinsichtlich der Bekämpfung des IS. So wird über Israel und Kurdistan zwischen Antideutschen, anderen „Linken“ und Islamgegnern aller PI-News auch ein Bogen gespannt. Übrigens kann hier ruhig mal polemisch eingeworfen werden, scheiß auf die Kurden. Wenn bestimmte Kurden sich für deutsche Interessen einsetzen würden, wäre dies aber zu entschärfen.

Die Komplexität des Faschismus wird ausgeblendet oder strak reduziert, was nicht immer verkehrt sein muss, aber daraus entsteht folgendes Bild, welches Osuch richtig anführt: Dass der „Faschismusbegriff überwiegend ethisch und moralisch verwendet“ wird. Die anderen hingegen würden sich immer noch an Georgi Dimitroffs „Faschismusdefinition“ orientieren. Heruntergebrochen auf: „Der Faschismus an der Macht […] ist […]die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.

Diese Definition würde sich ohne Probleme auf den IS anwenden lassen, wäre aber auch nur eine moralisch befindliche Einschätzung, weil in der „Linken“ Begriffe wie Reaktionär oder Chauvinismus oft einfach nur moralisch verwendet werden. So bewertet auch Osuch den IS als reaktionär. Der IS versucht seinen eigenen Gottesstaat zu erkämpfen und folgt man Dimitroff, wird damit die Ablösung der bürgerlichen Demokratien im Nahen Osten verfolgt oder wenn es in den Augen einiger keine Demokratie sind, ist dies ein „Kampf zwischen den einzelnen Gruppierungen im Lager der faschistischen Bourgeoisie selbst“, dass Ziel am Ende ist die Liquidierung des Parlaments. Der Chauvinismus – bis hin zu Mord – gegenüber anders Gläubigen, vor allem Christen, und teilweise auch gegenüber Frauen, ist mehr als offensichtlich. Der dritte Punkt hinsichtlich des Finanzkapitals kann auch ausgemacht werden. „„Der Islamische Staat ist wahrscheinlich die vermögendste Terrorgruppe, die wir je gesehen haben“, sagt Matthew Levitt, ehemaliger US-Geheimdienstler und jetzt Experte für Terrorismusbekämpfung des Washington Institute for Near East Policy.“

Osuch meint zwar der IS „müsse keine mächtige proletarische Bewegung niederschlagen, um sein Ziel zu erreichen, ihm genügten militärische Erfolge.“ Jedoch genügen keinem nur militärische Erfolge, die Massen müssen auch hinter einem stehen sowie werden nicht ohne Grund soviele Videos von Enthauptungen im Netz hochgeladen, der IS will auch mediale (ideologische) Siege verbuchen. Dies gilt auch für wirtschaftliche Erfolge, denn warum die proletarische Bewegung zerschlagen, wenn diese eingebunden werden kann. So ließe sich noch mehr nach Dimitroff erklären. Bei seiner radikalen Ausdehnung schafft es der IS nämlich, dass ihm die werktätigen Massen durchaus beistehen. „Denn die Arbeiter vor Ort blieben meist dieselben: Vorher waren sie syrische Staatsangestellte, zwischenzeitlich bekamen sie ihr Gehalt von der radikalislamistischen Nusra-Front – und nun sind sie Mitarbeiter des „Islamischen Staats“. Die Arbeiter versuchen auf diese Weise, in dem zerstörten und verelendeten Land ihre Familien durchzubringen.“ Damit wird „sich den tiefen Haß der Werktätigen gegen die räuberische Bourgeoisie“ zu nutzen gemacht, „die im gegebenen Moment für die politisch unreifen Massen die verlockendsten sind“ (Dimitroff). (Das Konzept einer besonders revolutionären, großen, internationalen proletarischen Bewegung, sollte ohnehin in die Mottenkiste verstaut werden.) Die Arbeiter wollen ihre Familie und sich selbst durchbringe, dabei ist es ihnen völlig egal, von wem sie bezahlt oder beschützt werden.

Und weiter, die Kämpfer des IS „handelt im Interesse der extremen Imperialisten, aber vor den Massen tritt er unter der Maske des Beschützers der beleidigten Nation auf und appelliert an das gekränkte Nationalgefühl“ sowie „entfacht nicht nur die in den Massen tief verwurzelten Vorurteile, sondern er spekuliert auch mit den besten Empfindungen der Massen, ihrem Gerechtigkeitsgefühl und mitunter sogar ihren revolutionären Traditionen.“ (Dimitroff) Daran lassen sich aber genau jene Gründe ablesen, warum ihm soviele Leute in den Ländern selbst sowie aus Europa folgen. Genug revolutionäres Potenzial ist nämlich vorhanden, was der „Arabische Frühlinge“ oder traditionell die „Islamische Revolution“ in Persien offenbarten. Weiterhin sollte die Herabwürdigung des Islams durch den Westen (auch von „Rechten“) und speziell der USA nicht vergessen werden, welche die Souveränität von Staaten einreißt, durchaus im Interesse von „Linken“ die jeden Staat als unterdrückerisch begreifen. Somit hätte die bürgerliche Demokratie der USA, welche manche ebenfalls faschistische Züge zuschreiben (vgl. Naomi Wolf), „eine Reihe von […] reaktionärer Maßnahmen“ durchgeführt, „die den Machtantritt des Faschismus unmittelbar“ förderten, zumal es „im Kampf sogar innerhalb des faschistischen Lagers selbst“, gelegentlich „zu bewaffneten Zusammenstößen“ kommen kann (Dimitroff).

Man kann den IS, orientierend an Dimitroff, durchaus faschistisch auslegen, wäre aber genauso moralisch als würde man sich nicht auf jene Rede beziehen, die Rede kann auch keineswegs als großartig wissenschaftlich angesehen werden. Im selben Text wird Polen mehrmals zum Faschismus gerechnet, was damals wohl eher als ein autoritärer Staat angesehen werden konnte und beide Begriffe sind ebenfalls getrennt aufzufassen. Diese Annahme führte aber sicherlich zu den Taten wie Katyn, welche die Roten Armee nach der Aufteilung Polens, zwischen Deutschland und der Sowjetunion, verübte.

Historiker wie Ernst Nolte oder Stanley Payne haben bereits in ihren Werken dargelegt das der Faschismus eine europäische Bewegung war. Obwohl es durchaus sehr erfolgreiche Tendenzen bzw. das was tatsächlich als – entfernte Variante des – Faschismus angesehen werden könnte, im Nahen Osten gab. Aber Faschismus und Islamismus sind zwei verschiedene paar Schuhe.

Osuch möchte aber eher folgendes vermeiden: „Die Charakterisierung des Islamismus als faschistisch sei für Linke gefährlich, weil sie eine Brücke zur Annäherung an den westlichen Imperialismus als »kleineres Übel« darstellen könne.“ Ob es als gleichwertiges oder größeres Übel angesehen werden soll, bleibt jedoch unerwähnt. Genauso wie man dem IS entgegentreten soll, bekanntlich haben die Kurden Waffen aus dem Westen bekommen. Weiterhin werden die USA durch ihre Politik in dieser Region, zu Recht, verurteilt und die Bundeswehr ist wohl kaum fähig dazu und darf sich sowie von „Linken“ ständig als Mörder betiteln lassen. Im Gegenzug dazu, wird der syrischen Armee ständig gedroht wenn sie ihr Territorium vereidigen will, hatte aber in jüngster Zeit einige Erfolge gegen die Aufständischen zu verzeichnen. Die Solidarität der hiesige „Linke“ kann sich streckenweise auch geschenkt werden, wer soll denn die Familien retten, das machen nur Waffen und Soldaten, darunter könnten aber auch Faschisten sein, also ist die Lösung: Man nimmt die Flüchtlinge auf und wartet bis der IS nach Europa kommt, weil Krieg angeblich immer was schlechtes sei.

Osuch führt viele „Linke“ an die für eine Trennung plädieren, jedoch bleibt auch dort die Frage offen, wie hier und im Ausland mit radikalen Islamisten umzugehen ist. Die eigene moralische Befangenheit gegenüber „Rassismus“ und „Antifaschismus“, wegen einer angeblichen Aushöhlung von Positionen, führt doch ständig zu potenziellen Fehleinschätzungen, wie dem paktieren mit kapitalistischen Kräften. Auch wenn die Grenzen oft schwer zu ziehen sind, sollte nicht im Faschismus die größte Gefahr gesehen werden, wobei nur auf diesen gewartet und angebliche Ansätze bekämpft werden. Manche betonen zwar angeblich im Kapitalismus den Hauptfeind zu sehen, wenn dem aber so wäre, sollte sich jedoch mal über Masseneinwanderung und „Kulturellebereicherung“ Gedanken gemacht werden. (Wird eh kaum passieren.) Weiterhin haben die Subjekte des „Antifaschismus“ noch lange nicht begriffen, dass Kapitalismus und Demokratie schon seit längerem besser harmonieren als es mit dem Faschismus der Fall war. Ähnliches kann aber durchaus auch einigen Teilen der „Rechten“ attestiert werden.

(1) Es gibt nicht den Islam, sondern viele unterschiedliche Rechtsschulen.

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Ein Gedanke zu “Viel Moral wenig Fakten

  1. Eine ideale Ergänzung. „Über die Islamkritik sogenannter „Neocons“ wurde innerhalb der Rechten bereits ausgiebig diskutiert.“ Ja, das wurde es und die Strömung sowie ihre Ausrichtung sind allgemein bekannt, aber wegen der Aktualität: „Ob nun Geert Wilders, Michael Stürzenberger oder das kleinere, nachfolgende Licht René Stadtkewitz: Sie alle tragen nicht zu einer Verbesserung der deutschen, gar europäischen Lage bei. Sie sind zu blind, um zu erkennen, wo die Ursprünge der Konflikte im Mittleren und Nahen Osten liegen, wer mehrheitlich dafür verantwortlich ist und wie diese zukünftig verhindert werden könnten. Die jahrzehntelangen, unmenschlichen geopolitischen Interventionen der USA, des „Westens“ sowie der EU blenden sie aus. Das Sykes-​Picot-​Abkommen von 1916, der dadurch weiter verankerte Kolonialismus, „Demokratieexport“ durch Waffen und staatlich gesteuerte Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen sowie Think Tanks sind ihnen vermutlich nicht bekannt. Oder sie sind in ihrer Welt vielleicht sogar eine gerechtfertigte Maßnahme zur Eindämmung „des“ Islam.“ (siehe http://www.blauenarzisse.de/index.php/gesichtet/item/5173-islam-hasser-bei-pegida)

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