Russischer Rhythmus

In der „Blauen Narzisse“ wurde sich mal wieder mit Russland auseinandergesetzt. Der Autor, Christian Kanig, zählte eine Reihe von positiven Entwicklungen innerhalb des Landes auf. Was ihm dazu verleitet folgende Äußerung zu tätigen: „Zweifelsohne: Das Land ist noch lange nicht am Ende.“ Das ist es mit Sicherheit nicht. Jedoch neben einer marginalen Unterschlagung in der Mitte des Textes, ist der abschließende Urteil dann doch etwas zu flach gehalten, dazu aber gleich mehr.

Die gemeinte Unterschlagung bezieht sich auf die Äußerung, dass lediglich in den 1920er Jahren Seitens der „Rechten“ versucht wurde Beziehungen zur Sowjetunion aufzubauen. Jedoch sollte hier neben Niekisch und Paetel, auch der Strasser-Flügel in der NSDAP erwähnt werden, welcher eindeutig auch ein Bündnis mit der Sowjetunion anstrebte. Und trotz eines tiefen Antibolschewismus im Nationalsozialismus, sollte auch der Hitler-Stalin-Pakte nicht unterschlagen werden. Ferner können noch die unzähligen russischen Soldaten in der deutschen Armee oder speziell in der „Russischen Befreiungsarmee“, welche für das „Reich“ kämpften, erwähnt werden. Dies aber nur als Ergänzung am Rande.

Nun aber zum flach gehaltenem Fazit. „Ob jedoch Putins autokratisches Herrschaftssystem Modellcharakter für die Staaten Europas hat, darf bezweifelt werden. Bisher hat die Geschichte immer wieder bewiesen, daß Europas Innovationskraft und gesellschaftliche Stabilität von unten – und nicht von oben – kommen. Europa tickt nicht im russischen Rhythmus“, so Kanig. Vermutlich sieht Kanig aber in Russland, so wie die „faz“, nur eine Diktatur: „Putin sei es gelungen, das Land im Inneren zu befrieden und zumindest Stabilität, wenn auch nicht Demokratie, herzustellen.“ Diese „Diktaur “ genießt aber durchaus Sympathien.

Jedoch tickt Europa eindeutig nicht im russischen Rhythmus, aber wie will man diesen momentanen Rhythmus nennen? Wie wäre es mit einem europäischem? Diese wäre aber genauso wenig zutreffend, weil es zu viele Unterschiede gäbe und wie sollte sich dieser ausdrücken, in einer gemeinsamen Geschichte? Auf diese könnten sich dann aber auch Türken, Mauren und Russen berufen. Mal abgesehen davon, dass die europäische „Innovationskraft und gesellschaftliche Stabilität“ historisch gesehen, auch von oben kommen konnten, Friedrich der Große, Napoleon Bonaparte oder Otto von Bismarck wären hier für Beispiele sowie sollte oft von einer Wechselwirkung, zwischen oben und unten, ausgegangen werden, statt einem plumpen von oben. Schließlich werden die heutigen Systeme auch von einer trägen Masse unterstützt und teilweise auch gefördert. Wie wäre es dann mit gemeinsamen Traditionen? Wie zum Beispiel dem Christentum, was wohl kaum erstrebenswert wäre, weil Wissenschaft stets den Vorrang haben sollte und zudem in seinen Auslegungen ebenfalls zu verschieden ist. Selbiges gilt auch für Kultur und Sprache, Englisch oder Esperanto haben sich bisher, glücklicher Weise, noch nicht überall durchgesetzt. Vielleicht wäre es ja ein momentaner deutscher Rhythmus? Schließlich ist das Land Tonangebend innerhalb der EU, zahlt am meisten und profitiert davon aber auch dementsprechend am meisten. Zumindest auf den ersten Blick, schaut man dann hinter die glänzende, bunte Fassade, sieht man den Lack abblättern und merkt langsam einen faden Beigeschmack und miefigen Geruch jener Dominanz, gerade für die einfachen Menschen oder an der Peripherie Europas. Ist es dann ein amerikanischer Rhythmus? Dessen Dominanz sich überall bemerkbar macht, gerade durch seine Ultima Ratio: Konsum ist Freiheit und dabei gleichzeitig die europäische Länder bevormundet und ständig gegen Russland schießt.

Am besten lässt sich das Ticken des jetzigen Rhythmus als ein Hybrid dieser beschreiben: Als westlich, kapitalistisch und marxistisch im Denken.(1) Und dieses Denken muss gebrochen werden. Um dies zu erreichen, könnte dann jedoch etwas russischer Rhythmus durchaus hilfreich sein. Jener Rhythmus muss dabei keinesfalls dauerhaft behalten und verinnerlicht werden, er soll lediglich beim aufbrechen verwendet werden, bis wieder ein eigener Rhythmus gefunden ist. Die Abendspanziergänge und Innovationskraft von einigen Publizisten (hier die Autoren um die „Sezession“) zeigen aber eine positive Tendenz von unten.

(1) Damit sind die heutigen Auswüchse der „Linken“, hier vor allem der deutschen „Linken“, gemeint. Denn viele Theorien von damaligen Kommunisten, sind immer noch anwendbar und sollten auch von „Rechten“ nicht geschmäht werden. Wobei ausländische „Linke“ zeigen wie es geht.

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