Gedanken zum 8./9.Mai

Am 8. Und 9. Mai feiern unzählige Subjekte eine Befreiung vom Hitler-Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus, welcher über Deutschland herrschte. Doch warum sollte man diesen Tag feiern, ein wirklicher Anlass dazu besteht nicht, außer das gebrochene Rückgrat seit 1945 soll wirklich nie heilen. Es hieß ja auch nicht Befreiung, sondern die bedienungslose Kapitulation und nicht weniger wurde verlangt, da kann man wohl kaum von Befreiung reden, oder doch? Schließlich werden noch heutige Generationen von raumfremden Mächten oder ihres Gleichen für ewig Schuldig erklärt und gleich zur angeblichen Tätergeneration dazu addiert, während sich diese Subjekte einfach ausklammern, weil sie mit Deutschland nichts mehr verbindet. Diese Subjekte bedienen sich dabei der gleichen Herrenmenschen-Rhetorik, die an 12 Jahre Nationalsozialismus erinnert und verurteilen dabei andere nur dafür, dass sie noch für ihre Heimat kämpfen, statt für eine gesichtslose „One-World“.

Sicherlich einige wurden 1945 befreit, sofern diejenigen denen die Befreiung gelten sollte nicht noch vorher von Alliierten, statt von Deutschen und deren Helfer, erschossen wurden. Oder die Befreier stilisierten sich gleich selbst als unglaublich Unterdrückte, nur um andere danach zu unterdrücken: Aus dem Konzentrationslager Buchenwald gibt es Bilder die Häftlinge im vollen Futter zeigen. Es waren Kommunisten die sich in der Lagerhierarchie ganz oben bewegten und als Kapos größere Rationen für sich einheimsten und deren Genossen schließlich weite Teile Europas unterjochten. Aber ja, einige wurden befreit, doch die Befreiung war keineswegs so heldenhaft wie einem heute immer erzählt wird.

Auch das amerikanische Kapital wurde erneut befreit, hatte man doch vor dem Krieg gute Beziehungen zu Deutschland und wollte diese nun nach 1945 neu aufleben lassen. Sicherlich auch hier wurden einige im Westen von der direkten Fremdherrschaft der Besatzung befreit, nur um gleich sich der nächsten zu unterwerfen, welcher aber weitaus subtiler daherkommt und dadurch nicht minder gefährlicher ist, wenn jene nicht sogar gefährlicher ist und ja bekanntermaßen bis heute anhält. Aber für manche sind die USA immer noch eine Art Gralshüter.

Befreit wurden die Deutschen auch von dem Bombenterror, welcher nur dazu führte das noch verbissener gekämpft wurde. Die Deutschen können von Glück reden, dass keine Atombombe über dem 3.Reich abgeworfen wurde, deren verheerenden Wirkung die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki noch bis heute spüren. Zumal das Bomben danach munter weiterging (auf Nordvietnam wurden mehr Bomben abgeworfen als auf das 3.Reich). Es bleibt auch fraglich inwiefern die Millionen Vertriebenen befreit wurden, außer von ihrer Heimat.

In Russland wird jener Tag (9.Mai) immer sehr pompös gefeiert. Waldimir Putin der seine aufmarschierenden Soldaten begrüßt, hegt jedoch keinen Groll gegen Deutschland, doch er stellt sich dennoch an solchen Tagen in eine stalinistische Tradition und feiert die Zerschlagung des nationalsozialitischen Deutschlands, durch das Paradieren der unterschiedlichsten Truppengattungen. Dies hat durchaus was Pathetisches und kann keinem Sieger verübelt werden, aber es ist gut wenn sich deutsche Regierungschefs daran nicht beteiligen, auch wenn aus den falschen Gründen geschieht und damit einmal mehr gegen Russland gehetzt werden soll. Russland soll immer weiter isoliert werden, weil dieses Land nur vom Westen gebraucht wird – sofern es seinen Lebensstil nicht übernehmen will – wenn es wirtschaftliche/kulturelle Konkurrenten (3.Reich) ausschalten soll. Den bereits nach 1945 gab es seitens der westlichen Alliierten Angriffspläne gegen die Sowjetunion: Mithilfe der Operation „Undenkbar“, wurde von den Briten geplant die Sowjetunion zusammen mit US-Amerikanern sowie gefangen genommenen Wehrmacht und SS-Verbänden zu überfallen. Der nach 1945 folgende „Kalte Krieg“ (der immer noch tobt) war dann der Versuch sich seines neuen/alten Feindes endgültig zu entledigen. Was folgte waren unzählige Schlagabtausche, welche die Welt spaltete und kaum was an den festgefahrenen Blöcken änderte.

Dennoch die sowjetischen Gräueltaten in Form vom millionenfachem Mord, Vergewaltigung und Plünderungen könne und sollten nicht unterschlagen werden und sie sollten auch kaum damit gerechtfertigt werden, weil sie eine Antwort auf die deutschen Gräueltaten gewesen waren. Bekanntermaßen, was dennoch gerne unterschlag wird, überfielen beiden Staaten Polen und dezimierten seine Bevölkerung und während der eine seinen Blick zunächst gegen westen richtete, überfiel die Sowjetunion – wie in den Zusatzprotokollen im Hitler-Stalin-Pakt vereinbart – Rumänien, Finnland und das Baltikum. Dies waren auch später die Länder, welche sehr angetan waren von einem deutschen Feldzug gegen die Sowjetunion, weil es dort dann für manche wahrlich um ihre Befreiung ging und weshalb sich auch später unzählige Freiwillig bei den Deutschen meldeten. Und noch ein Beispiel zu Polen, als der durchaus als Tapfer zu bewertende Aufstand im Wahrschauer Ghetto tobte, wartete die sowjetische Armee bis der Aufstand von der SS niedergeschlagen wurde, wahrlich heldenhaft das Ganze. Wenigstens Finnland konnte seine Unabhängigkeit auch danach bewahren.

Aber trotz alledem, waren die Soldaten, egal ob sie in deutscher, sowjetischer oder amerikanischer Uniform kämpften oft nur Opfer der verschiedensten Kapitalklassen, welche auf dem Rücken jener tapferen Soldaten, denen man Ruhme; Ehre und Sold versprach, die ihnen dann nur zum Teil gewehrt wurde, einen und zwar ihren Krieg ausfochten. Niemals wieder sollen Deutsche und Russen aufeinander gehetzt werden, heute sollte man sich Annähern und zusammen kämpfen, aber deswegen muss keineswegs von einer russischen Befreiung geredet werden.

Für einige war es ein Zusammenbruch, sie flohen mit Hilfe der Kirch in alle erdenklichen Richtungen. Diejenigen die in den Nahen Osten reisten schürten dort eine Judenfeindlichkeit, die heute noch dort zu finden ist, woran aber die Kolonialmacht Israel nicht völlig unschuldig ist, aber die auch nicht überall fruchtet, wie die privilegierten Juden im Iran zeigen. Andere flohen nach Südamerika, um der Verfolgung zu ergehen und sowohl der Sozialist Salvador Allende, als auch sein sich an die Machtgepuschte Nachfolger, der General Augusto Pinochet, gewährten jenen Menschen in Chile Unterschlupf. Andere Deutsche wurden in die USA entführt oder gingen freiwillig mit, und waren dort fortan als Wissenschaftler oder im Geheimdient tätig. Ersteren hat man auch den Flug durch die Lüfte und zum Mond zu verdanken. Andere wurden als Kriegsgefangene brutal verhört, sofern man sie nicht bereits vorher wie Dreck behandelte. Wieder andere mussten verschleppt in die Sowjetunion Zwangsarbeit leisten, wobei Rotarmisten von diesem Schicksal keinesfalls gefeit waren. Manche dieser Kriegsgefangenen, jene aus Stalingrad, kehrten erst 1955 zurück. Nur wenige tausend waren noch übrig, die anderen starben in den Lagern. Eine tolle Befreiung, wenn man für Zwangsarbeit entführt wird. Manche mussten nicht fliehen, weil die Nachfolgestaaten sie dahingehend befreiten, dass sie einen „Blankoscheck“ erhielten. Während die Einen in den Dienst der neu aufgestellten Bundeswehr gestellt wurden, wurden die anderen, trotz ihrer Mitgliedschaft in der Waffen-SS, Mitglied in der SED. Aber trotz dieses Aktes der Gnade seitens der Siegermächte, kann die Besetzung und Teilung, welche sich bis heute zeigt, wohl kaum als Befreiung gewertet werden. Rudi Dutschke oder die damalige KPD forderten nicht umsonst, dass die Supermächte verschwinden und man eigener Herr im Haus werden solle.

Jedoch wurde es damals nicht nur aus taktischen Gründen verstanden, dass nicht alle Deutschen Täter waren, auch wenn einem heute jener Sachbverhalt überall erzählt wird, mittlerweil auch in der zur antideutschen Tageszeitung mutierten „Jungen Welt“. Und auch für Deutsche mit einem Migrationshintergrund soll dies in Zukunft gelten, wenn es nach August Winkler gehen würde: „Zur Verantwortung für das eigene Land gehört aber immer auch der Wille, sich der Geschichte dieses Landes im Ganzen bewusst zu werden. Das gilt für alle Deutschen, ob ihre Vorfahren vor 1945 in Deutschland lebten oder erst später hier eingewandert sind. Und es gilt für die, die sich entschlossen haben oder noch entschließen werden, Deutsche zu werden.“ Aber Deutsche sind nicht nur Täter, sondern auch Opfer oder beides und ob Zugezogene dies übernehmen werden ist fraglich, weil woanders hat man noch Achtung vor seiner Kultur, so eine Wesensart der dauerhaften Schuld ist vielen, zu Recht, Fremd.

Sollte man der These vom „Zweiten Dreißigjährigen Krieg“ folgen, kann eine gewisse Aggression die sich gegen Deutschland richtete, gerade durch den „Schandvertrag“ von Versailles, welcher von linken und rechten Kräften gleichermaßen abgelehnt wurde, nicht geleugnet werden, außer man ist gänzlich blind. Was sich später auch an Tagen wie dem „Bromberger Blutsonntag“ zeigte, wo Deutsche die Opfer waren und Polen die Täter. Der Nationalsozialismus war nur die verzweifelt Antwort auf die Politik von Versailles, die sich dann in einen Wahn hineinsteigerte und sich auch gegen das eigene Volk richtete, sofern man nicht aus den verschiedensten Gründen (Angst, Überzeugung, Anpassung) seinen Frieden mit jenem System machte. Wer 1945 also mit 1933 verbindet, sollte – soviel Zeit muss sein – auch 1914 und 1918/19 miteinbeziehen.

Schlussendlich verlor das deutsche System, welches auch einen Versuch darstellte eine Synthese und gleichzeitig einen Gegenpol zwischen Ost und West zu bilden und was gänzlich Eigenes, wenn auch ziemlich radikal, jedoch auch keineswegs radikaler als die anderen, zu schaffen. Es war eben was deutsches und zu gleich doch sehr undeutsch. Denn „beide Ideologien und Organisationsformen [westlicher Kapitalismus, östlicher Kommunismus] widersprachen dem deutschen und dem europäischen Geist und dem retardierenden Moment seiner großartigen Geschichte“, so Götz Kubitschek.

Jedoch wurde dieser Krieg nicht irgendwie verloren. Die größten Nationen der Welt hatten sich gegen jenes Land im Herzen von Europa verbündet und mussten sämtliche Ressourcen aufbieten um es in die Knie zu zwingen. Von dieser unglaublichen Stärke träumen heute sicherlich auch manchmal heimlich Russland, USA, China oder Indien. Die deutschen Soldaten stellten sich aber mutig jener Übermacht und nicht umsonst haben spätere Historiker die deutsche Armee als die beste der Welt eingestuft. Eine gewisse Achtung, die man schließlich auf dem Fremden entgegen bringt, sollte auch ihnen zu Teil werden, weil dort werden ja auch stets die begangenen Verbrechen ausgeblendet. Dies kann also kein Kriterium sein.

Jener Tag kann nur vielschichtig bewertet werden und anstatt in einen Befreiungstaumel zu verfallen, sollte man davon gehörigen Abstand nehmen, außer man will keine Reflexion komplexer Zusammenhänge erstreben und Teil der herrschenden Klasse werden oder bleiben.

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Ein Gedanke zu “Gedanken zum 8./9.Mai

  1. Der Versuch war gemacht: Der Schizophrene von der „faz“ schreibt in einem Kommentar (8.Mai):„Es gibt aber auch deutsche Helden“ und meint damit „Vermisste, Vertriebene, Getötete, über Geschundene, nie wieder Heimgekehrte und über Vergewaltigte in mehrfachem Sinn.“ Es sollten auch die deutschen Soldaten hierunter sub­su­mie­rt werden, welche Zivilisten bei ihrer Flucht Rückdeckung gaben. Würde diese Äußerung nur für sich stehen wäre es in Ordnung, doch jenes Subjekt will nicht das bestimmte Wunden endlich einmal heilen und man sich auf Augenhöhe begegnen kann, eher sollen die Deutschen Verantwortung gegenüber alles und jeden haben, nichts weiter als die übliche moralische Erpressung. Gleichzeit wird auch wieder gegen Russland agitiert. Russland würde, nach seiner Auffassung, eine erneute Gefahr für das Baltikum darstellen, dabei wird die amerikanische Seite – hinsichtlich des Ukraine-Konflikts – heruntergespielt und ihre damaligen Verbrechen als „eine große geschichtliche Tat“ gewürdigt. Auch die deutsche Beteiligung auf dem Balkan wird wie immer unterschlagen, weil scheinbar galt dort das „Nie wieder“ nicht.

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