Erfolgreiche Compact-Veranstaltung

„Der Saal war mit 120 Leuten komplett ausgebucht, es war eine der bestbesuchtesten Veranstaltungen im Rahmen unserer monatlichen Reihe COMPACT-Live! Nach „Pegida – Wie weiter?“ (am 16. April 2015 in Dresden) präsentierten wir gestern einen weiteren „Querfront“-Abend. Diesmal als Triangle. Wieder dabei: Der “nationalbolschestwistische” Jürgen Elsässer (Chefredakteur COMPACT), der “neurechte” Götz Kubitschek (Chefredaktion Sezession) und Dr. Hans-Thomas Tillschneider (Patriotischen Plattform der AfD, Vorstandsmitglied AfD Sachsen). Im Publikum saßen zahlreiche weitere AfD-Aktivisten.

Obwohl sich in den Referenten- und Debattenbeiträgen Differenzen zwischen den Zeilen zeigten, galt Jürgen Elsässers Motto: „Getrennt marschieren, vereint schlagen, auf der selben Seite der Barrikade stehen.“ Die Barrikade, die gemeinsame Seite meint den Patriotismus, mag er von links oder von rechts kommen. Griechenland spielt das derzeitig vor, erweist sich als Modell-Land.[Kritik wäre aber angebracht.]

Dr. Tillschneider erklärte zu Beginn, das politische Spektrum der etablierten Parteien habe sich nach links verschoben. Vor allem habe es an Farbe verloren: Die CDU sei nicht mehr konservativ, die SPD nicht mehr sozial, die FDP als Befürworterin der EU-Bürokratie nicht mehr liberal. Die AfD müsse nun alle drei Richtungen wieder zur Geltung bringen. Standpunkte setzen gegen standpunktlosen Einheitsbrei. Für ihn, Tillschneider, gelte nicht „weder links noch rechts“, stattdessen sei er „links UND rechts“. Er habe Standpunkte beider Richtungen übernommen. Schließlich säßen wir alle, ob Linke, Rechte oder Liberale, in einem Boot. Was alle drei Richtungen verbinden und zum gemeinsamen Nenner führen könne, sei der Patriotismus. So wolle es auch die „Patriotische Plattform“ der AfD.

Götz Kubitschek stellte die „neuralgische“ Frage zur Gründung von Alternativen, also auch der AfD: Dient die neue Bewegung oder Partei den Beteiligten nur als Vehikel, um langfristig doch ins ersehnte Establishment zu gelangen? Oder bleibt sie bei der Fundamentalkritik ihrer Anfänge? Versucht sie wirklich andere Formen der Politik, wie es die Grünen in ihren Anfängen praktizierten? Kubitschek ist überzeugt: Alternativen können nur vom politischen Rand kommen. Der linke Flügel sei jedoch vom Parteiensystem vereinnahmt worden und deshalb nicht länger interessant. Auch Pegida sei zunächst Demaskierung und Hinterfragung des politischen Systems gewesen. Ebenso die AfD, aber sie habe seit ihrem Beginn auf Etablierung gesetzt, indem sie hochrangige Politiker der Mitte einkaufte. Damit habe sie sich zwar etabliert, aber sei auch keine Alternative mehr. Immerhin, ein Teil ihres Personals sei nicht bereit, die Grundimpulse aufzugeben. Er glaube einem Alexander Gauland, dass er wirkliche Inhalte anstelle der Etablierung wolle.

Jürgen Elsässer verwies auf Tatjana Festerling. Die zeige, wie es geht: Als Pegida-Aktivistin medial in die rechte Ecke geschoben, habe sie sich bei der Bürgermeisterwahl trotzdem durchgesetzt, 21.000 Stimmen und 9,6 Prozent Dresdner Stimmen erhalten. Eben wegen ihrer Radikalität. Damit sei alles Gelaber über notwendige Anpassung widerlegt. Ebenso zukunftsweisend: Nicht als Partei, sondern als Einzelperson anzutreten. Als Person, die durch Charakterstärke überzeugt. Die aktuelle Stimmung in Deutschland sei gut, stehe auf Protest. Deshalb hätten Etablierte stets Provokateure in neue Bewegungen geschleust, die dort als Spaltpilze wirkten. So habe man die Piraten oder die Montagsmahnwachen erfolgreich liquidiert. Mit Spaltungs-Aktionen, in deren Folge sich Mitglieder voneinander abgrenzten. Gleiches drohe Pegida und AfD. Deshalb sei das wichtigste Gebot: Der Mechanismus der „Distanziereritis“ müsse gebrochen werden! Elsässer wünscht Parteien, die eher einer Party ähnelten. Sie müssen einen Resonanzraum schaffen, in dem sich das Volk wohlfühle, sich artikulieren mag. Man solle den Menschen zuhören, ihnen nicht gleich eine Masse an fixierten Programmpunkten überstülpen. Politische Funktionäre müssten raus auf die Straße, damit das Volk wieder aktives politisches Subjekt werde.

Elsässer fragte Tillschneider, ob seine Patriotische Plattform einen Plan zur Rettung der AfD habe. Tillschneiders Antwort: Die Partei dürfe nicht zerbrechen. Deshalb sei auch seine Meinung: Schluss mit gegenseitiger Distanziererei. Wer sich durch Ausgrenzung anderer profiliert, sei für Führungsämter ungeeignet. Man dürfe niemanden das Recht absprechen, Mitglied der Partei zu sein. Die AfD solle sich nicht auf einige Stars konzentrieren. Vielmehr brauche sie Personal, das den politisch etablierten Diskurs-Rahmen sprengt. Man müsse nicht über Personen, sondern über Inhalte debattieren.

Laut Kubitschek ist Parteichef Lucke an politischen Inhalten nicht interessiert. Er schätze die Reibungslosigkeit, fühle sich wohl im System der Entortung und der DIN-Normen. Jede Reibung und Nichtfunktion ärgere ihn, deshalb wolle er die AfD „optimieren“. Gewiss habe Lucke auch nützliche Funktionen: Wenn er die Partei verließe, würden ihr Mittelstands-Gelder verlorengehen, hätte sie kein Schutzschild mehr gegen allzu harte Kritik von Seiten des Systems. Dennoch sei eine AfD im Lucke-Modus vollkommen uninteressant, bloß eine zweite FDP. Stattdessen müsse sie zum Resonanzraum werden, in dem Visionen für Deutschland zur Sprache kämen. Sie hätte sich Pegida als Vorfeld-Organisation nehmen sollen. Aber dazu seien sich viele Mitglieder „zu fein“ gewesen.“

Quelle

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