Schwarz-Roter Kanal: Wer die Wahl hat, hat die Qual: Galgen oder Guillotine?

Bis heute wurden in den meisten Zeitungen keine Richtigstellungen oder Differenzierungen zu dem „Pegida-Galgen“ abgedruckt und die Worte des Grünen-Politikers Daniel Mack einfach unterschlagen: „Wer den Galgen der #Pegida verurteilt, darf bei #StoppTTIP nicht wegschauen!“[1] Von daher sind die folgenden Worte immer noch zutreffend:

Auf einem Pegida-Spaziergang hatte einer der Teilnehmer einen selbst gebastelten Galgen aus Holz mitgebracht, der unter anderem für Gabriel bestimmt war. Dieser hatte selbst in den regional Gazetten, die mit ihrer plumpen und primitiven Ausdrucksweise selbst die Bildzeitung dieses Landes zu übertreffen versuchen, für Furore gesorgt. Mit diesem Galgen wurde „das Ende der Toleranz erreicht“, weil damit die „Vernichtung des politischen Gegners“ aufgefordert und der Vergleich zu den „Braunen Horden“ offensichtlich wurde. Der Galgen steht für dies alles, doch die Guillotine, welches bei der Anti-TTIP-Demo in Berlin mitgeführt wurde und ebenfalls für den gleichen Politiker bestimmt war, wie bei jenem erwähnten Galgen, steht scheinbar für was anderes und das dort zu sehende Blut, war dort dann nur ein Zeichen künstlerischer Freiheit.

Selbstverständlich sind nicht nur für jene Schreiber Galgen und Guillotine was verschiedenes, dass eine tötet durch Genickbruch, dass andere trennt den Kopf für Körper, nur so bekommt man vermutlich den „Nazi“ aus den Köpfen. Die Guillotine kann aber eine edlere Tradition aufweisen. „Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit“, hieß es damals in der Französischen Revolution als sie angewendet wurde. Alle die sich der Freiheit nicht beugen wollten wurden zur Guillotine geführt, alle die eine erzwungene Gleichheit nicht akzeptieren wollten und an der Vielfalt statt der Einfalt festhielt, wurden zum großen Gleichmacher geschleift, denn auf dem Weg dorthin und unter dem Fallbeil selbst, sind schließlich alle gleich und frei. Die Brüderlichkeit soll hier natürlich nicht unterschlagen werden, die aber mittlerweile dem Humanismus weichen musste, weil sich Weiber ausgeschlossen fühlen könnten, denn die Verurteilten wurden von ihren eignen Volksgenossen geköpft. Diesen ehrenwerten Gleichmacher aus der Tradition der Französischen Revolution kann für heutige unabhängige, nicht-lügende Kolumnisten nicht schlecht sein, deswegen braucht man dies auch nicht zu erwähnen oder gar zu verurteilen, sondern nur den eingangs erwähnten Galgen, ganz davon abgesehen, dass sich die einen für was menschlichen einsetzten im Gegensatz zu den anderen, oder doch irgendwie beide? Aber der Galgen ist eben keine Guillotine.

Man muss aber nicht bis nach Frankreich reisen und kann in Deutschland bleiben, weil ohne Bezug zum Dritten Reich geht es nicht, und begründen warum die Guillotine nicht dasselbe ist wie der Galgen. Die Nürnberger Verbrecher wurden schließlich auch mit der Guillotine abservierte und gerade dort traf es für jeden „Toleristen“ [diesen blödsinnigen Begriff gibt es wirklich] doch die Richtigen, dass es einige Jahre zuvor noch die Geschwister Scholl traf, kann man dann wieder getrost ausblenden, würde dies die Sache doch noch unnötig komplizierter machen, in dem linearen Weltbild, welches man sich mühsam zusammengezimmert hat und keine Widersprüche aushält. Schließlich ist die kritische Selbstreflexion, seit die 68er in den Institutionen sitzen, auch nicht mehr notwendig.

Um dies alles nicht reflektieren zu müssen, bleibt es bei der Verurteilung des selbstgebastelten Galgen, der wahrscheinlich nicht nur unter der Last eines Gabriel zusammengebrochen wäre, und weil keine Guillotine zur Hand ist, bedient man sich subtilerer Mittel, wie einer Eisenstange. Damit kann man den heutigen Menschen die alten Werte der Französischen Revolution und Nürnbergs, bei letzterem auch egal ob vor oder nach 1945, wenigstens krankenhausreif einprügeln, zwar nicht mit einem „Braun Hemd“, aber zumindest mit einem breiten roten Grinsen im Gesicht und funkelnden Sternen in den Augen. Der morgige Kolumnist in der regionalen wie überregionalen Zeitung schwingt dann für seinen Genossen auf der Straße seinen roten Stift und kann die Geschichte dann an die hinteren Zeilen hängen oder gleich ganz bezweifeln, um dann herbei phantasierte Überfall-Geschichten drucken zulassen, welcher Schritt angeblich nun wieder von den besorgten Freiheitsfeinden unternommen wurde, um die Toleranz der kapitalistischen bunten Volksgemeinschaft nachhaltig zu stören, die doch auf Gedeih und Verderb der führenden und herrschenden Klasse zu verteidigen ist. Diese Klasse hält sich aber zum Glück mit ihren neuen Guillotinen noch zurück, schließlich tun es momentan auch ein paar im Geiste des Gleichschritts marschierende Humanisten mit Eisenstangen und roten Griffelchen. Ohnehin steht eins fest, einen Galgen will man ohnehin nicht, weil dieser die Freiheit, Gleichheit und Humanität nicht so präzise verkörpert wie die ehrenwerte treue Guillotine.

Von Franz Rheinberger

[1] pic.twitter.com/xdhw4JMLFL

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