Blaue Narzisse interviewt den kanadischen Geschichtssoziologen Ricardo Duchesne

Wie wirkt sich das auf das Einkommen des durchschnittlichen Kanadiers aus?

Die Annahme, dass der Durchschnitts-​Kanadier von Masseneinwanderung bei einem höheren Anteil von „wirtschaftlichen“ Einwanderern profitiert, hat sich als falsch erwiesen. Es ist allgemein bekannt, dass die Kaufkraft kanadischer Arbeiter von 1980 bis 2005 relativ gleich geblieben ist. Laut der Statistik, nämlich der Analyse des kanadischen Zensus von 2006, sank das Medianeinkommen der Kanadier – auf der Basis des inflationsbereinigten Dollars von 2005 – um 0,1 Prozent seit 1980. Hinzu kommt, dass das Einkommen des ärmsten Fünftels der Bevölkerung innerhalb dieser Zeit dramatisch fiel, nämlich um 20,6 Prozent. Das Einkommen der reichsten 20 Prozent stieg dagegen um 16,4 Prozent an.

So etwas wie einen Arbeitskräftemangel gibt es in Kanada nicht. Doch es gibt einen Widerwillen dagegen, für Löhne zu arbeiten, die durch die billige Arbeitskraft von Immigranten und importierte Vertragsarbeit niedrig gehalten werden. Kanadische Arbeiter sind auf ihre politischen und wirtschaftlichen Errungenschaften gegenüber den rauen Arbeitsbedingungen der Vergangenheit stolz. Sie wollen keinen Import von niedrigen Löhnen und gegen die Arbeiterklasse gerichteten Werten aus der nichtwestlichen Welt dulden, nur um den Profit globaler Konzerne hoch zu halten.

Bedenklich ist auch, dass viele der älteren Verwandten der Einwanderer staatliche Sozialleistungen beziehen, für die sie während ihres Arbeitslebens niemals eingezahlt haben. Viele Einwanderer haben die kanadische Staatsbürgerschaft, arbeiten aber im Ausland und zahlen keine Steuern in Kanada. Sie kehren nur nach Kanada zurück, um teure staatliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Über elf Prozent der Einwanderer haben zugleich eine kanadische Staatsbürgerschaft und die eines anderen Landes. Es wurde berechnet, dass acht Prozent der kanadischen Bürger, also 2,7 Millionen Menschen, einschließlich der mit doppelter Staatsbürgerschaft, außerhalb von Kanada leben.

Der Wirtschaftswissenschaftler Herb Grubel von der kanadischen Simon Fraser University berechnete – unter anderem –, dass die Kosten für Dienst– und Sozialleistungen für die 2,5 Millionen Immigranten, die von 1990 bis 2002 ankamen, allein im Jahr 2002 die von ihnen gezahlten Steuern um 18,3 Milliarden Dollar überstiegen. Der durchschnittliche Einwanderer hat demnach seit 1985 dem kanadischen Steuerzahler eine jährliche Steuerlast von 6.000 Dollar aufgebürdet. Insgesamt sind es, bezogen auf alle Immigranten, pro Jahr im Schnitt 25 Milliarden Dollar.

Im Januar 2015 führte die Regierung das Programm „Express Entry“ ein, das entworfen wurde, um den Bewerbungsprozess für die am höchsten qualifizierten Arbeiter zu beschleunigen. Diese werden dazu eingeladen, sich für einen dauerhaften Aufenthalt zu bewerben. Und ihr Antrag wird dann in sechs Monaten – oder noch kürzerer Zeit – bearbeitet. Aber es gibt keine Hinweise darauf, inwiefern „Express Entry“ die Probleme angehen will, die ich gerade benannt habe.

Ich finde es außerdem aus Sicht der reichsten Nationen der Welt moralisch fragwürdig, Programme einzurichten, die darauf ausgelegt sind, die am besten ausgebildeten Menschen den ärmeren Ländern abzuwerben. Denn in den ärmeren Staaten werden diese eher gebraucht. Diese Entwicklung ist auch als „brain drain“ bekannt. Es handelt sich dabei um eine Form von Imperialismus, die zeigt, wie unmoralisch und scheinheilig die Ideologie hinter der Masseneinwanderung ist. Auf der einen Seite werden die Kanadier dazu aufgerufen, andere Kulturen wertzuschätzen, auf der anderen Seite wird eine Politik gefördert, die das ökonomische Wohlergehen dieser Kulturen schwächt!

Das komplette Interview gibt es bei der „Blauen Narzisse“.

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