Der Befreiungsschlag der AfD offenbart die Irrtümer der Herren Lucke und Stein

Die Ablösung Bernd Luckes war für seine Partei ein Befreiungsschlag, für ihn selbst und für seinen publizistischen Doppelgänger Dieter Stein jedoch eine Blamage. Der Chefredakteur der Jungen Freiheit (JF) hatte Luckes Illusionen geteilt und ihm sein Blatt unter flagranter Mißachtung journalistischer Schamgrenzen als Kampfblatt für seinen Grabenkrieg gegen die Mehrheit der eigenen Parteimitglieder zur Verfügung gestellt.

Stein-Luckes erster Irrtum bestand in der Verkennung dieser Mehrheitsverhältnisse: Für jeden, der in die AfD hineinhorchte, war mit Händen zu greifen, daß deren Basis gegen Masseneinwanderung und Islamisierung, gegen Gesinnungsgängelei („Political Correctness“), gegen die Machtusurpationen der EU und gegen die Rolle Deutschlands als Vasall des US-Imperiums war. Für jeden war demgemäß auch die Kluft zwischen dieser Basis und einer Führung erkennbar, deren Konzept auf eine „CDU light“ hinauslief. Die etablierten Massenmedien haben diese offen zutage liegende Kluft zwar in dem ihnen eigenen hetzerischen und diffamierenden Stil thematisiert, aber erfunden haben sie sie nicht.

Erfunden hat vielmehr die Junge Freiheit eine Partei, die schlimmstenfalls einen „marginalen Rechtsaußenflügel“ (Stein) – der in Wahrheit weder rechts außen noch marginal war und ist –, jedoch eigentlich keine im engeren Sinne politischen Gegensätze gekannt habe, höchstens den zwischen einer – selbstredend von Lucke verkörperten – „Vernunft“ und der Unvernunft von Spinnern und Extremisten, vor der man die offenbar bevormundungsbedürftigen Mitglieder gar nicht genug warnen könne. Es handelt sich um dasselbe demagogische Muster, mit dem das herrschende Machtkartell seit Jahrzehnten alle politischen und publizistischen Alternativen einschließlich der Jungen Freiheit selbst diffamiert hat.

Stein-Luckes zweiter Irrtum war mithin die Illusion, eine Opposition, die nur mit der Wahrheit punkten kann, könne es sich leisten, die demagogischen Methoden der sprichwörtlichen Lügenpresse zu übernehmen. Es bedarf schon eines tief verwurzelten Gutsherrendünkels, sich einzubilden, man könne Menschen, die bereits durch die Lektüre der verfemten JF bzw. die Mitgliedschaft in der AfD eine gewisse Widerborstigkeit bewiesen haben, mit derselben Leichtigkeit manipulieren, die den Chefredakteuren von Bild und Zeit oder den Vorsitzenden von CDU und CSU zu Gebote steht.

Der dritte Irrtum war die Illusion, durch die Verteufelung der oppositionellen Rechten innerhalb und außerhalb der AfD den Druck der allgegenwärtigen Diffamierung loszuwerden und die Eintrittskarte zu den Eliten zu lösen. Aus deren Sicht konnte es nichts Besseres geben als eine AfD, die das oppositionelle Potential an sich band, zugleich aber eine Führung hatte, die beflissen ihre Loyalität gegenüber dem herrschenden Kartell und seiner Ideologie bekundete und dieses Kartell bereits deshalb vor wirklich alternativen Ideen verschonen mußte. Da dessen institutionalisierte Paranoia keine psychologische Erscheinung ist, sondern zu seinem Machterhalt beiträgt, erreicht man als Oppositioneller durch Unterwerfung unter seine exorzistischen Rituale (abschwören, abgrenzen, sich distanzieren) lediglich die Verschärfung dieser Paranoia in Form der Unterstellung, die Unterwerfung sei rein taktischer Natur.

Abgrenzen muß sich in Wahrheit nur, wer die gegnerischen Begriffe und Lagebeschreibungen gedankenlos übernimmt. Oppositionelles „Agenda-Setting“ klappt ganz gut: Der verzweifelte Kampf der Lügenpresse gegen das Etikett „Lügenpresse“ zeigt, wie erfolgreich es ist, den Spieß umzudrehen. Auf die Tagesordnung gehört nicht der „Kampf gegen rechts“, sondern der Kampf gegen den Verrat der Eliten, nur muß man ihn dann auch tatsächlich auf diese Tagesordnung setzen, statt darauf zu warten, daß diese sich von selbst ändert.

Wer die geforderten Distanzierungsrituale ablehnt und die Herrschenden mit der Begründung angreift, daß sie de facto Putschisten sind, deren Politik die Grundlagen der verfassungsmäßigen Ordnung untergräbt, bringt damit implizit (und gewiß überzeugender als durch die Beteiligung an ihren Hexenjagden) seine Loyalität dieser Ordnung gegenüber zum Ausdruck und kann sich Abgrenzungsforderungen verbitten. Freilich hat er dann nicht die Chance, von den Machthabern zum Mitspielen eingeladen zu werden. Wer darauf aber spekuliert, zeigt dadurch seine Korrumpierbarkeit.

Abgrenzung tut not – aber nicht gegenüber diesem oder jenem „Rand“, der womöglich die Hälfte des Volkes umfaßt, sondern gegenüber den Herrschenden und ihnen sekundierenden vermeintlichen Oppositionellen, die im Zusammenhang mit der Entwicklung der AfD gewogen und für zu leicht, weil politisch korrumpierbar befunden wurden.

von Manfred Kleine-Hartlage, Quelle

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